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Leitsätze - Gesellschaften der Alexianerbrüder
Leitsätze - Gesellschaften der Alexianerbrüder
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Leitsätze Psychiatrie und Psychotherapie

Leitsätze der Abteilungen für Psychiatrie und Psychotherapie

Psychiatrisches Handeln

1. Einleitung
2. therapeutisches Konzept
3. Leitungskonzept und Qualitätsmanagement
4. Kooperation in der Gemeinde
 
1. Einleitung

Die Abteilungen für Psychiatrie und Psychotherapie der von den Alexianern getragenen Krankenhäuser (im folgenden Abteilungen genannt) verstehen sich als kompetente Zentren für Psychiatrie und Psychotherapie und erklären ihre Zuständigkeit für die Versorgung eines definierten Einzugsgebietes mit dem Ziel der Vollversorgung. Unter Berücksichtigung des Prinzips der gemeindenahen Versorgung entsprechend den „Empfehlungen der Expertenkommission“ haben die Abteilungen folgende Leitgedanken formuliert. Die psychiatrische Krankenversorgung hat:

  • sich an den Bedürfnissen der Betroffenen und ihrer Angehörigen angemessen zu orientieren,
  • qualitativ hochwertig unter Berücksichtigung des aktuellen Standes der psychiatrischen und psychotherapeutischen Forschung zu sein,
  • eine ökonomische Umsetzbarkeit angesichts der vorhandenen Ressourcen zu berücksichtigen.
Dabei ist die Einbeziehung aller Beteiligten und die Transparenz im Planungsprozess die Voraussetzung für eine kommunale Verantwortungsübernahme. Besondere Berücksichtigung findet die gemeindeintegrierte Versorgung chronisch psychisch kranker Menschen. Die Abteilungen arbeiten eng und gleichberechtigt mit allen an der Versorgung psychisch Kranker Beteiligten im Versorgungsgebiet zusammen. Sie sehen ihre Aufgaben nicht nur innerhalb klinisch-psychiatrischer Versorgungsmodelle, sondern verstehen sich sowohl als Bestandteil wie auch als Impulsgeber und Anbieter einer gemeindepsychiatrischen Versorgung. Sie arbeiten verpflichtend nach dem Grundsatz ambulanter vor teilstationärer, teilstationärer vor stationärer Behandlung.

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2. Therapeutisches Konzept

Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft besteht in der Psychiatrie Konsens über ein Krankheitsmodell, das von einer multikausalen Entstehung aller psychischen Störungen ausgeht und sowohl genetische, organische, seelische und soziale Faktoren umfasst. Die Abteilungen sehen sich diesem ganzheitlichen Ansatz in ihrem diagnostischen und therapeutischen Handeln im Sinne eines bio-psycho-sozialen Modells verpflichtet. Je nach Störungsbild stehen körperliche, psychische oder soziale Faktoren im Vordergrund. Daher ist sowohl bei Diagnostik als auch Therapie die Einbeziehung körperlicher, psychischer und sozialer Faktoren und Behandlungsebenen selbstverständlich.

Um den psychisch kranken Menschen ganzheitlich zu verstehen, sehen die Abteilungen psychische Krankheit als Störung und Lösung zugleich an. Sie kann als eine menschliche Anpassungsleistung und als Versuch einer nicht geglückten Selbstheilung angesehen werden. Die therapeutische Hilfe ist darauf ausgerichtet, Ressourcen und Selbsthilfestrategien zu erkennen, zu fördern und besonders die Wahrnehmung von Funktions- und Sinneszusammenhängen zu betonen. Dabei sind die professionellen Helfer nicht allein die Wissenden. Auch der Patient ist „Experte für seine Erkrankung“.


Der therapeutische Kontakt findet auf einer Subjekt-Subjekt-Ebene statt. Wobei die Einsicht in die Krankheit und in die therapeutischen Ziele gemeinsam auf der Grundlage einer gleichberechtigten Beziehung im Prozess erarbeitet wird.

Der psychisch kranke Mensch wird in seiner Würde, in seinem „Sogewordensein“ uneingeschränkt respektiert. Seine psychische Entwicklung und seine aktuellen innerseelischen Abläufe, die durch bewusste und unbewusste Prozesse bestimmt sind, werden im Rückblick auf seine Erfahrungen aus zwischenmenschlichen Beziehungen - besonders der frühen Kindheit und Jugend - gesehen und verstanden.

Konflikte im Erleben und Verhalten stellen sich nicht nur regelhaft im sozialen Umfeld, sondern auch im therapeutischen Kontext dar, so dass sie für Diagnostik und Therapie sichtbar werden. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung des Patienten ist die von ihm als positiv erlebte Erfahrung der Beziehung zu seinem Behandlungsteam, insbesondere zu seinem Therapeuten. Daher ist die Kontinuität der therapeutischen Beziehung, die durch Bezugstherapeuten gewährleistet wird, ein wesentlicher Faktor der Behandlung. Verständnis für die Zusammenhänge der Störung und neue Erfahrungen sind die zwei wichtigsten Ebenen des therapeutischen Prozesses, um die Stabilität des Patienten zu fördern.


Vor dem Hintergrund dieser psychotherapeutischen Grundhaltung werden in Diagnostik und Therapie gemäß den Leitlinien der Deutschen Fachgesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie

  • somatische,
  • psychotherapeutische (tiefenpsychologisch fundierte Therapie, Verhaltenstherapie, systemische Therapie) und
  • sozialpsychiatrische Ansätze integriert.
Ein Team ist multiprofessionell und umfasst alle Mitarbeiter, die am Behandlungsprozess eines Patienten beteiligt sind. Jedes Teammitglied nimmt aufgrund seiner eigenen Persönlichkeit, seiner Ausbildung und seiner beruflichen Erfahrung andere Anteile eines Patienten in seiner Wirklichkeit wahr. Durch diese Vielfalt entsteht ein vollständigeres Bild des Patienten. Daraus ergeben sich differenziertere therapeutische Lösungsmöglichkeiten. Das Team ist zugleich die Reflektionsebene für das therapeutische Handeln jedes Einzelnen.

Eine erfolgreiche Teamarbeit setzt eine adäquate Kommunikation voraus.

Durch regelmäßige Fort- und Weiterbildung sowie externe Supervision werden die Mitarbeiter zu fachlich kompetentem, für den Patienten engagiertem, lösungsorientiertem Handeln befähigt.


Die Umsetzung des therapeutischen Handelns findet in den Behandlungsteams nach dem Prinzip der therapeutischen Gemeinschaft, modifiziert im Sinne der psychotherapeutischen Gemeinschaft, statt.

In den verschiedenen Behandlungseinheiten werden die Patienten an den täglichen Vorgängen aktiv beteiligt und bekommen damit Alternativen zu den bisherigen pathogenen Umwelt- und Lebenserfahrungen. Die therapeutische Gemeinschaft bedeutet im einzelnen:

  • Jedes Teammitglied ist gleichwertig und hat seinem klar definierten Berufsbild entsprechend therapeutische Kompetenzen.
  • Patienten und Therapeuten begegnen einander partnerschaftlich, gleichgestellt auf der Subjekt-Subjekt-Ebene.
  • Patienten erhalten so viel Autonomie wie möglich.
  • Das Erleben und Verhalten der Patienten wird wie die Beziehungsgestaltung im Team erfasst, reflektiert und kommt damit der Diagnostik und Therapie zugute.
Die professionelle therapeutische Haltung auf der einen Seite, die ein haltendes, förderndes Milieu schafft, und die christliche Prägung der Abteilungen auf der anderen Seite tragen in besonderem Maße zur „therapeutisch wichtigen“ Neuerfahrung der Patienten bei. In den Abteilungen wird über die bio-psycho-soziale Ebene hinaus der geistig-religiöse Hintergrund der Patienten wahrgenommen. Dabei werden alle Glaubensrichtungen und Weltanschauungen selbstverständlich akzeptiert und respektiert. Seelsorgliche Begleitung wird angeboten.


Die psychiatrische Behandlung in den Abteilungen basiert grundsätzlich auf Übereinkunft und Freiwilligkeit der Patienten. Dennoch gibt es in der Psychiatrie Situationen, in denen Patienten, bedingt durch Krankheitsbilder wie Psychosen, Persönlichkeitsstörungen, Sucht u.ä., keine Krankheitseinsicht haben, sich selbst und andere gefährden und zu Gewalttätigkeit neigen. Der Umgang mit diesen Patienten, die sich in der Regel nicht freiwillig in Behandlung begeben, sondern, weil sie für sich und andere eine Gefahr darstellen, gegen ihren Willen in der Klinik sind und nicht in die Behandlung einwilligen (können), ist für die Abteilungen eine große Herausforderung und andererseits auch der Gradmesser für eine professionelle und qualitätsvolle Behandlung. Das Thema „Gewalt in der Psychiatrie“ wird deshalb in den Abteilungen der von den Gesellschaften der Alexianerbrüder getragenen Krankenhäuser offen thematisiert. Sie sind sich bewusst, dass Ausbildung und Schulung in Deeskalationsstrategien und ein dementsprechendes Verhalten der Mitarbeiter in kritischen Situationen dazu beiträgt, dass die Anwendung von körperlichem Zwang gegenüber den Patienten auf ein unverzichtbares Maß reduziert werden kann. Zur Behandlung unter freiheitseinschränkenden Bedingungen, das heißt zu Eingriffen in die Grundrechte der Patienten, kommt es daher nur, nachdem alle anderen weniger einschneidenden Maßnahmen erfolglos sind. Freiheitseinschränkende Maßnahmen werden durch therapeutische Maßnahmen, wie z. B. Sitzwache, engmaschig begleitet und fortwährend im Team reflektiert. Sie tragen immer die Aufforderung in sich, so schnell wie möglich wieder die Selbststeuerungskräfte der Patienten zu stärken und ein tragfähiges Behandlungsbündnis aufzubauen oder zu ihm zurückzukehren.

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3. Leitungskonzept und Qualitätsmanagement

Entsprechend der Philosophie der Alexianerbrüder wird die Grundhaltung der Leitung zu den Mitarbeitern in vertrauensvollen Beziehungen sichtbar. Gleichzeitig bestehen gemeinsame Interessen am Erreichen der vorgesehenen Arbeitsziele, die geprägt sind durch hohe Qualität in der Versorgung der Patienten unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit.
Qualität wird durch Partizipation der Mitarbeiter aller Berufsgruppen und Hierarchien kontinuierlich erarbeitet. Deshalb wird die Qualitäts- und Organisationsverantwortung in die Teams delegiert. Innerhalb eines transparenten Entscheidungs- und Kommunikationssystems werden Ziele und Aufgabenerfüllung diskutiert und abgestimmt. Die Motivation und Eigenverantwortung aller Mitarbeiter werden gefördert und gestärkt.


Die Abteilungen sehen sich einem umfassenden Qualitätsmanagement verpflichtet, das Struktur, Prozess- und Ergebnisqualität umfasst. Zur Sicherung der Ergebnisqualität wird die Kongruenz von Behandlungsziel und Behandlungsergebnis intern überprüft. Zur externen Qualitätssicherung dienen verschiedene Maßnahmen wie Patientenfürsprecher, Beschwerdemanagement, Besuchskommissionen, offene Diskussion im Trialog sowie transparenter Austausch mit den Kooperationspartnern in der Gemeinde.

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4. Kooperation in der Gemeinde

Die Abteilungen verstehen sich als Bestandteil des regionalen Versorgungssystems. Deshalb arbeiten sie eng und gleichberechtigt mit allen an der Versorgung psychisch Kranker Beteiligten zusammen. Um dies zu erreichen werden unter anderem Kooperationspartner über Leitlinien und konkrete Leistungsangebote der Abteilungen informiert.
Wesentliche Voraussetzungen sind:

  • Die kontinuierliche, patientenorientierte Kooperation mit allen Trägern in der Region, die geprägt ist durch gegenseitige Transparenz, Toleranz und Akzeptanz,
  • die Mitarbeit in den regionalen Gremien bei der Entwicklung bedürfnis- und bedarfsgerechter gemeindepsychiatrischer Angebote und
  • die Einbeziehung von Patienten, Angehörigen, Selbsthilfegruppen und Verbänden in Gespräche, in Veranstaltungen zur Fort- und Weiterbildung sowie in die nähere Ausgestaltung der Zusammenarbeit.
Öffentlichkeitsarbeit soll dem Verständnis psychischen Krank- und Andersseins dienen und dazu beitragen, das Krankenhaus noch stärker in die Gemeinde einzubinden und damit die Integration von psychisch kranken Menschen zu fördern.

 

In necessariis unitas;

In dubiis libertas;

In omnibus caritas.

 

„Im Notwendigen die Einheit;

im Zweifel die Freiheit;

in Allem die Liebe“.

Hl. Augustinus

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