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Leitsätze - Gesellschaften der Alexianerbrüder
Leitsätze - Gesellschaften der Alexianerbrüder
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Pflegeleitbild

Pflegeleitbild der Krankenhäuser der Alexianerbrüdergemeinschaft in Deutschland

Gesundheits-/Krankheitsverständnis

Unsere Auffassung von der Pflege 

Konsequenzen 

Kerngedanken

 

Unser Menschenbild
(1)
Jeder Mensch ist als Ganzheit in seinen leiblichen, geistigen, seelischen, religiösen und sozialen Bezügen geschaffen. Er wird als unvollkommenes Wesen geboren und ist in einer ständigen Entwicklung begriffen. Auch bei stetem Bemühen um Vollkommenheit bleibt er unvollkommen und ist sterblich. Sein Streben richtet sich auf Sinnfindung und Vollendung. Er ist auf Transzendenz (Religiösität) hin angelegt.

(2)
Durch sein Geschaffensein ist die Würde und der Wert eines jeden Menschen unantastbar. Er verliert sich nicht, auch nicht durch Krankheit, im Alter, bei körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung.

(3)
Der Mensch steht in Kommunikation mit sich selbst, mit der Umwelt, mit der Mitwelt und mit Gott. Er bedarf zu seinem Menschsein der Gestaltung dieser Beziehungen. Er setzt sich mit seinem Selbst auseinander (in Wahrnehmungen, Gefühlen, Gedanken, Überzeugungen u. a.). Er erfährt sich an der Mitwelt im Kontakt zu seinen Mitmenschen. Er erlebt Umwelt als zu ihm gehörig. Er kann mit Gott in Beziehung treten.

(4)
Grundbefindlichkeiten sind in jedem Menschen von Anfang an existent. Zu ihnen zählen Sinnfähigkeit, Geschichtlichkeit, Zuwendungsfähigkeit, Verantwortlichkeit, Schuldhaftigkeit, Leiblichkeit, Leidensfähigkeit, Sterblichkeit, Heilbarkeit. Diese bestimmen die Individualität des Menschen in seiner Körperlichkeit, Geistigkeit und Sozialität. Ihre Entwicklung erfolgt bei jedem Menschen unterschiedlich schnell und weit.

(5)
Im Laufe seines Lebens erfährt sich der Mensch in unterschiedlichen Lebenssituationen. Die Erfahrungen "Ich bin heilbar", "Ich bin zuwendungsfähig", "Ich bin sterblich", "Ich bin sinnfähig" bzw. "bin nicht" u. a. haben Einfluss auf sein Erleben und Handeln.

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 Gesundheits-/Krankheitsverständnis
(1)
In seiner Entwicklung unterliegt der Mensch vielfältigen positiven und negativen Einflüssen, die von "innen" oder "außen" auf ihn wirken: So gestalten Gedanken, Regungen, Triebempfindungen das Innenleben, aber auch Umwelt und zwischenmenschliche Beziehungen beeinflussen den Menschen. Dabei tendiert der Mensch grundsätzlich dazu, sich vor tatsächlichen oder vermeintlich negativen Einflüssen zu schützen. Gleichzeitig hat er das Bestreben, sich offen zu halten für das, was ihm positiv erscheint, und sich diesem zuzuwenden. Das gilt auch, wenn jemand sich gesundheitsschädigend verhält. Er betrachtet diese Tätigkeiten in dem Augenblick für sich selbst als wichtig und die Folgen für geringer.

(2)
Die Grundhaltungen des Sich-Öffnens für die Welt und des Sich-Schützens vor der Welt halten den Menschen sozial, physisch und psychisch im Gleichgewicht (Balance).

Die Grenzen zwischen Gesundheit und Krankheit sind fließend. Das Gesundheits- als auch das Krankheitserleben sind von subjektivem Empfinden und soziokulturellem Umfeld geprägt. Gesundheit ist ein ständiger Prozess der Anpassung, der Verantwortung abverlangt. Das Gelingen dieser persönlichen Aufgabe ist weitgehend eine Folge der Selbsterkenntnis, der Selbstdisziplin und der inneren Kräfte, durch die jeder sein Erleben und sein Handeln reguliert.

Die bewusst gelebte Individualität, soziale Offenheit und Gebrechlichkeit des Menschen machen die Erfahrung von Schmerz, Krankheit und Tod zu einem integralen Bestandteil seines Lebens. Die Fähigkeit, diese Bereiche autonom zu bewältigen, ist die Grundlage seiner Gesundheit.

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 Unsere Auffassung von der Pflege
(1)
Der kranke Mensch ist nicht in der Lage, aus eigener Kraft die nötige Balance zu finden. In diesem Fall braucht er fachliche Hilfe. Pflege ist nach unserer Auffassung ein Beitrag zur Lebensförderung. Ganzheitlich orientierte Pflege vollzieht sich nach den Schritten des Pflegeprozesses. Sie findet im stationären und nichtstationären Bereich statt und bezieht das soziale Umfeld mit ein.

(2)
Fast immer kommen kranke Menschen mit Angst und Vorbehalten ins Krankenhaus. Durch ihre Krankheit sind sie mehr oder weniger abhängig geworden. Mit der Aufnahme ins Krankenhaus verlassen sie ihre gewohnte Umgebung. Der Krankenhausaufenthalt ist in der Regel, gemessen an der Zeitspanne ihres Krankseins und ihres Lebens, kurz.

Die veränderte Lebenssituation erschwert dem kranken Menschen die Anpassung. Dabei leistet professionelle Pflege die Erhaltung und Wiederherstellung der Gesundheit durch aktivierende Hilfestellung, Beratung und Begleitung bei Krankheit, Behinderung, im Alter und im Sterben. Ebenso beinhaltet professionelle Pflege das Klären und Unterstützen bei psychischen, physischen, sozialen und spirituellen Bedürfnissen. Von dem kranken Menschen muss Eigenaktivität und Mithilfe im Rahmen seiner Möglichkeiten eingefordert werden.

(3)
Muss der kranke Mensch das Krankenhaus verlassen, obwohl wesentliche Pflegeziele noch nicht erreicht sind, d. h. bevor der Betroffene wirklich in der Lage ist gemäß seinem gewohnten bzw. neuen, seiner Person angepassten Stil zu leben, muss außerhalb des Krankenhauses weiterhin Pflege sichergestellt werden.

(4)
In der Prävention sehen wir es als wichtige Aufgabe der Pflege an, gesundheitsförderndes Verhalten zu unterstützen sowie die Auswirkungen gesundheitsschädigender Faktoren aufzuzeigen und bewusst zu machen.

(5)
Pflege ist ein eigenständiger Bereich im Gesundheitswesen. In der Zusammenarbeit im interdisziplinären therapeutischen Team nimmt sie ihre spezifischen pflegerelevanten Aufgaben und Kompetenzen wahr.

So, wie eine rein medizinische Ausrichtung der Pflege als inhuman zu bezeichnen ist, so kann eine nur "verstehende" Pflege auch nicht verantwortet werden. Die Fachlichkeit der Pflege bezieht sich auf pflegerisch-wissenschaftliche, medizinisch-wissenschaftliche und kommunikative Kompetenzen. Dabei versteht sich die Pflege als eigenständige, verantwortliche Berufsgruppe innerhalb des multiprofessionellen Teams.

(6)
Die Pflegeperson ist genauso wie der kranke Mensch als Individuum zu sehen. Sie nimmt ihre individuelle Lebensqualität wahr und geht verantwortungsvoll mit ihren physischen und psychischen Ressourcen um. Sie trägt Verantwortung für sich selbst und für den kranken Menschen.

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 Konsequenzen
(1)
In unseren Krankenhäusern wollen wir dem kranken Menschen im Zustand von Abhängigkeit und Kranksein helfen, die ihm eigene Balance zu finden, d. h. der kranke Mensch soll die für ihn größtmögliche Selbstständigkeit erreichen.

(2)
Wir unterstützen den kranken Menschen in den Aktivitäten seines alltäglichen Lebens, für die ihm im momentanen Zustand die nötigen Kräfte, Kenntnisse und Fähigkeiten fehlen. Dabei wollen wir alle seine vorhandenen Kräfte, Kenntnisse und Fähigkeiten respektieren, fördern und sich entfalten lassen, bis er vertrauensvoll und unabhängig seinen eigenen Lebensstil aufnehmen bzw. erlangen kann.

(3)
Es ist unser Bestreben, dem kranken Menschen die Lebensgewohnheiten, die für seine Gesundheit abträglich sind, bewusst zu machen. Er soll wissen, mit welchen Hilfen diese Gewohnheiten abgebaut und überwunden werden können.

(4)
Wir wollen dem kranken Menschen, dessen Krankheit ein verändertes Leben bedingt, helfen, sich dieser Veränderung anzupassen und seine für ihn größtmögliche Unabhängigkeit und seinen Lebenssinn zu finden.

(5)
In der konzeptionell durchgeführten Rehabilitation sehen wir für den kranken Menschen einen Weg, Lebensqualität wiederherzustellen und mit seinen möglichen Einschränkungen sein Leben sinnvoll zu gestalten.

(6)
Braucht der kranke Mensch bei der Entlassung aus dem Krankenhaus weiterhin Pflege, tragen wir dazu bei, dass diese sichergestellt ist.

(7)
Wir begleiten den sterbenden Menschen bis zu seinem Tode und wahren ihm die Würde seines Menschseins.

(8)
Unsere Auffassung von Pflege schließt die Unterstützung und Beratung der Angehörigen und Freunde des kranken oder sterbenden Menschen mit ein.

(9)
Wir verpflichten uns, unser pflegerisches Handeln immer wieder selbstkritisch zu reflektieren und unsere fachlichen, menschlichen und sozialen Kompetenzen weiterzuentwickeln.

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 Kerngedanken des Leitbildes sind:

Berücksichtigung von Menschenbild und Gesundheits-/Krankheitsverständnis
Berücksichtigung von individueller Biographie und Lebensgewohnheiten
Hilfe zur Anpassung an veränderte Bedingungen
Erhaltung und Förderung der Selbstständigkeit
Aufrechterhaltung und Förderung der Beziehung nach außen
Hilfe zum Verständnis von Krankheit, Diagnostik, Therapie und Pflege
Planung und Dokumentation der Pflege/des Pflegeprozesses
Verpflichtung zu Fort- und Weiterbildung


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