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 Theologische LeitsätzeAusführlich erläutert werden die in den Unternehmensgrundsätzen dargestellten Grundhaltungen in den folgenden theologischen Leitsätzen der Alexianer.
Theologische Leitsätze der Einrichtungen der Alexianer
Die Einrichtungen der Alexianer verstehen sich als unverzichtbarer Teil des öffentlichen Gesundheits- und Sozialwesens Deutschlands, die das spezifische Profil katholischer Einrichtungen und damit das caritative Selbstverständnis der Alexianerbrüdergemeinschaft zum Wohl der Kranken, Behinderten und Benachteiligten in der Gesellschaft verkörpern. Sie wissen sich getragen und herausgefordert durch Leben und Lehre Jesu Christi, in dessen Tradition sie durch ihren Dienst an und mit kranken, alten und behinderten Menschen die heilende Nähe des biblischen Gottes in dieser Welt gegenwärtig halten wollen. Als katholische Einrichtungen sind sie nicht nur Abteilungen von Katholiken für Katholiken, sondern von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verschiedener Konfessionen und Weltanschauungen, die sich in kritischer Loyalität der christlichen Hoffnungsbotschaft vom beglückenden Leben für alle leidenden, kranken, alten und behinderten Menschen verpflichtet fühlen.
Das caritative Selbstverständnis der Alexianer steht wie jede spezifisch christliche Einrichtung in der Tradition Jesu Christi. Für ihn ist jede Form von Krankheit und Leid ein Übel, das Unheil stiftet und überwunden werden sollte. Deshalb suchte er die Nähe von Kranken und Schwachen. Aussätzige und Ausgestoßene heilte er, um durch sein persönliches Wirken ein frohmachendes Zeichen für die heilende Gegenwart Gottes zu setzen. Er brach radikal mit dem gewohnten Denken seiner Zeit, das Krankheit, Behinderung und Leid als gerechte Strafe des zürnenden Gottes für begangene Schuld wertete und deshalb diese Menschen sozial ächtete. Er verstand, dass Krankheit und Leid oftmals Ausdruck verhängnisvoller Verstrickungen und Ohnmacht eines Menschen sind und durch Stigmatisierung und Ausgrenzung der „Gesunden“ verstärkt, wenn nicht sogar erst ausgelöst werden. Deshalb zielten Jesu Heilungen darauf ab, auf Seiten der Kranken und Schwachen das Selbstvertrauen und die Eigenkräfte, auf Seiten der Gesunden die Aufnahmebereitschaft und den Mut zur eigenen Initiative zu stärken. Schon die frühen Christengemeinden setzten sich von ihrer Umwelt klar ab, als sie leidende und kranke Menschen durch feste organisatorische Formen der Gemeindediakonie in der Mitte ihrer Gemeinschaft neuerlich sozial integrierten.
„Die Liebe Christi drängt uns“ – unter diese Worte des Apostels Paulus stellen die Alexianer ihren Dienst. Die Liebe Christi ist Zusage und Anspruch zugleich. Jesu vorbehaltloses Sicheinlassen auf die Not der Menschen und ihre Sehnsucht nach Heilung ermutigt auch heute noch, sich mit der eigenen Lebenskraft in die manches Mal zerreißende Auseinandersetzung mit Krankheit, Leiden und Schwäche einzulassen. Es ermutigt zur Hoffnung auf Heil und Genesung auch dann noch, wenn nach menschlichem (und medizinischem) Ermessen eigentlich keine Hoffnung mehr zulässig ist. Es ermutigt aber auch zur Einsicht, dass allen menschlichen (und medizinischen) Bemühungen Grenzen gesetzt sind und diese scheitern können. Jesu vorbehaltloses Sicheinlassen auf die Menschen fordert von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern katholischer Einrichtungen zugleich anspruchsvolle Grundhaltungen: im Umgang mit den Patienten und Bewohnern eine Kultur der Achtsamkeit vor der Würde des kranken, alten und behinderten Menschen - eine Kultur der Achtsamkeit, die den Menschen nicht auf seine leiblichen und seelischen Defizite reduziert, die die Einmaligkeit seiner persönlichen Geschichte und Situation respektiert und dessen eigene Fähigkeiten zur Gesundung nicht übersieht und zuschüttet. Zu dieser Kultur der Achtsamkeit gehört auch, Menschen mit dauerhaft körperlichen, seelischen oder geistigen Behinderungen in ihrem Sosein zu akzeptieren und ihnen durch die Förderung ihrer spezifischen Fähig- und Fertigkeiten eine unbeschwerte Lebensführung zu ermöglichen.
Der Anspruch Jesu Christi prägt auch das Profil einer katholischen Einrichtung als Organisation. Er prägt den achtsamen Umgang zwischen allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, insbesondere zwischen Leitung und allen anderen Organisationsebenen. In einer Zeit komplizierter Zusammenhänge im Gesundheits- und Sozialwesen fordert er – um der Gesundung der Kranken und guten Begleitung der Bewohner willen – von allen Beteiligten ein hohes Maß an Professionalität. Diese Professionalität ist sich der Bedeutung hoher Fachlichkeit ebenso bewusst wie der unüberwindbaren Grenzen des fachlich Machbaren. Sie nutzt den Spielraum des ökonomisch Möglichen, ohne die Begrenzung materieller wie ideeller Ressourcen zu verleugnen. Das spezifisch christliche Profil einer katholischen Einrichtung unterstützt die Kultivierung ethischer Grundhaltungen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als unverzichtbaren Teil professioneller Fachlichkeit im Gesundheits- und Sozialwesen. Es fördert eine „Kultur des Scheiterns“, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor den eigenen Grenzen nicht kapitulieren, sondern aus den Fehlern und Unzulänglichkeiten lernen lässt und Selbstvertrauen zurückgibt. Träger und Leitung wissen die Kreativität zu schätzen, die aus der steten Qualifizierung wie aus der kontinuierlichen Selbstverständigung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die fachlichen Standards im umfassenden Sinne für die Profilierung einer christlichen Einrichtung und damit für die Präsenz des Christlichen in dieser Gesellschaft erwächst.
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